Reisebericht Kuba 1998

Abreise

Es ist der 2. April 1998. Gnadenlos tut der Wecker das, was ich von ihm verlange. Mit sonorem elektronischem Piepen werde ich um 2.oo Uhr aus dem Schlaf gerissen. Heute ist Reisetag nach Kuba! Die Koffer stehen gepackt im Flur und um 3.oo Uhr erwarte ich das Taxi, welches mich von Porta zum Mindener Bahnhof bringen soll. Draußen ist es regnerisch, Aprilwetter. Die richtigen Umstände, um in den Süden zu fahren. Hastig trinke ich einen Tee und kontrolliere nochmal das Haus. Es klingelt - das Taxi. Viel zu früh bin ich am Bahnhof und stehe fröstelnd auf dem unwirklich beleuchteten Bahnsteig. Die Lampen fingern mit ihren Lichtstrahlen durch den Nebel nach dem regennassen Boden. Der Zug fährt pünktlich ein: Wagen 179 Plätze 84 und 86. Großraumwagen, Raucher.
Friedhold steigt um 4h25 in Osnabrück zu.
Ankunft in Schiphol um 8h10. Check in problemlos; boarding-time 8h30. Ankunft in Holguin um 18h55 MESZ (12h55 Kubazeit). Nach gesonderter Pass- und Gepäckkontrolle (kennen wir von früher - unser Kuba lag im Osten) um 13h45 im klimatisierten Kleinbus. Wetter: Bedeckt, 28 Grad C, leichte Brise, etwas schwül.
Wir fahren mit dem Bus durch grünes Land. Es erinnert mich an Ceylon. Endlos ziehen sich die Zuckerrohrfelder. Wir passieren einen kleinen Ort, der sich um eine Zuckerfabrik entwickelt hat. Erinnerungen an Hüttensiedlungen aus dem Rhein-/ Ruhrgebiet werden wach. So müssen die Anfänge der Bergmannssiedlungen in Dinslaken Lohberg einmal ausgesehen haben.
Nach drei Stunden erreichen wir Santiago de Kuba. Eine quirlige Stadt mit zerfallenen Villen, qualmenden, alten Amischlitten und überfüllten Straßen. Gelegentliche Monumentalstandbilder verraten uns, dass dies das Reich des Fidel Castro ist.
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Unsere Holländischen Mitreisenden werden an diversen Stadthotels ausgeladen. Der Reiseführer verlässt mit den Worten "es dauert noch eine Stunde zu ihrem Hotel" ebenfalls den Bus. Der Bus muss tanken, die erste Tankstelle hat kein Diesel - bei der zweiten sind wir erfolgreich.
Die Straße führt uns von Stgo. nach Osten entlang der Küste. Hier ist alles sehr unberührt, das Naturschutzgebiet beginnt. Tatsächlich durchfahren wir nach ca. 5o Min. die Einfahrt zum Hotel. Mit kargen Worten überreicht man und den Zimmerschlüssel - ein Hotelangestellter trägt die Koffer. Während des Weges raunzt er Worte wie "Bar", "Pool", "Restaurant". Bezüglich der Freundlichkeit können die Kubaner noch lernen - was soll's, es sind halt doch Kommunisten, wenngleich mit hoher Affinität zu One-Dollar-Noten.
Das Zimmer ist einfach mit Klimaanlage und liegt am östlichen Rand des Geländes. Nicht schlecht - nach genau 23h Reisezeit sind wir am Ziel: Es ist 19h Ortszeit.

Wir machen uns frisch und gehen zum Essen; es gibt zwei Restaurants: Ein Barbecue (mit Voranmeldung) und das "normale". Es gibt warmes Buffet, die Qualität ist noch befriedigend.
Das Publikum ist einfach, überwiegend Deutsch mit eingestreuten Engländern, Franzosen, Kanadiern, Italienern. Die Kellner sind unauffällig, haben wenig Charme und verkörpern in der Summe nicht gerade das, was man als karibische Lebensart bezeichnen würde. Sachlichen Grund zum Klagen gibt es nicht. Am Abend hören wir live-Musik, die Gäste neigen nicht zum Randalieren, hier sind mehr Familien.
Am folgenden Tag (Freitag) treffe ich um 8h30 im Hotelfoyer Danielo von der Tauchbasis. 10 Tauchgänge (TG) kosten $240,- Dazu kommen $2.- für die Busfahrt zur Basis, die etwa 3km westlich des Hotels liegt. Näheres im Bericht "Tauchen in Kuba".
Das Frühstück ist vielseitig mit kontinentalem und Inselteil (ich meine die Insel mit den blassen Linksfahrern). Alles geht über self-service. Kaffee und Tee sind gut, Plätze gibt es genug - keine Probleme.
Mittags und abends ist es ziemlich ähnlich, Getränke bekommt man auch durch die Kellner (, die sonst nur abräumen). Für $1.- jeden 2. Tag ist der Service bemüht und persönlich.
<- Ein Klischee
Interessant wird es an der Poolbar. Tagsüber werden die Drinks in Plastikbechern serviert. Das macht insofern Sinn, als niemand durch die möglichen Scherben der zerbrochenen Gläser gefährdet wird. Zur Erinnerung: Dies Hotel ist All-Inclusive - niemand zahlt hier.
Die Hotelanlage besteht aus zwei Komplexen, die ca. 200m auseinander liegen. Der Pflegezustand ist gut, beide Anlagen sind als zweistöckige Einheiten ausgelegt und geschmackvoll bepflanzt. Direkt am Strand liegen die Junior Suiten mit 4 Einheiten pro Gebäude, in der zweiten Reihe die Zimmer, ca. 15 Einheiten pro Gebäude. Kein Zimmer ist weiter als 300m vom Strand entfernt. Der Strand gliedert sich in eine westliche, naturnahe Zone mit einem felsigen Einstieg und einen Sandstrand. Beide Abteilungen haben ihren Reiz, sind mit Bäumen bepflanzt und kleine Kokosschirme bieten ebenfalls genügend Schatten, um hier einen schönen Strandtag zu verleben. Dem Strand vorgelagert ist ein Korallenriff, das - leicht zu erreichen - zum Schnorcheln einlädt.

Tierwelt

Die reichhaltige Vegetation bedingt auch eine lebendige Tierwelt. Beim Blick in den wolkenlosen Himmel fallen zuerst die majestätisch segelnden Geier auf. Auf den Feldern staksen die die weißen Kuhreiher auf der Suche nach Nahrung auf und ab. Die Luft ist erfüllt vom Zwitschern allerlei tropischer Vögel und gelegentlich erhascht das Auge auch einen vor einer Blüte schwebenden Kolibri. Das Bodenleben wird beherrscht von zahllosen Krabben und flinken Echsen, die bei Annäherung mit erhobenem Ringelschwanz in ihre Verstecke huschen.
Eine Kuriosität sei noch erwähnt: Auffällig ist ein schwarzer Vogel mit glänzendem Gefieder, etwas größer als eine Amsel mit senkrecht stehenden Schwanzfedern. Sein Ruf gleicht genau dem Gitarrenriff aus Peter Maffays "Es war Sommer": diu-diu-diu. Wer hat hier das Plagiat begangen?

Leute

Das Publikum im Carisol ist vorwiegend Deutscher Zunge und aus Kanada - im Los Corales zumeist aus Italien. Familien mit Kindern und Paare jeden Alters beherrschen das Bild. Einige Typen will ich näher umreißen:

Auffällig war dicker Bayer (~45J). Er wirkte völlig ungehobelt mit unmodischer Kleidung und schlechten Manieren. Ds Bemerkenswerte war eine pralle, junge Kubanerin, die als seine Freundin (gen. "Schlüsselreiz") um ihn herumschwirrte. Mit brauner Haut und sexy Badeanzug blieben die Blicke zwangsweise an den prallen Hinterbacken haften. Wie sich herausstellte, hatte Bayer ein Stück Land verkauft, um diese Frau zu importieren. Friedhold und mir fiel das Bild einer Tropenpflanze ein, die im kalten Europa rasch verkümmert. Wie mag sich das Mädchen wohl fühlen, wenn die fetten Bayernmuttis den Schlachterladen verlassen, wenn die Kubanerin reinkommt oder es auf der Kirchweih heißt, "da kommt dem Wastl sei braune Hure.."?

Beim Tauchen lernte ich einen Italiener kennen. Etwa 50J., aus Brindisi. Sprach mit einem unglaublichen Kölsch-Akzent gut Deutsch. Ein typischer Italiener: Klein, braun, gelackte, wellige Haare, irgendwie charmant, mit einer großen, massigen blonden Frau (Holländerin) und einer Backfisch-Tochter.
Toni war immer umringt von mindestens drei Frauen, die ihn alle herzten. Er erzählte Geschichten und ging dann und wann mit seinem Troß und einer Banane zum Schnorcheln. Dann lockte er die Fische mit der Banane an und die Frauen sahen ehrfurchtsvoll zu. Ein Künstler bei der Arbeit.

Seine Backfisch-Tochter war eher der Mutter nachgeraten und überhaupt nicht Italienisch. Was ihn wohl besonders störte, war das "modische" Outfit der Tochter: Unvorteilhaftes Kleid mit dicksohligen Turnschuhen: "Nu kukke dir dasse nu einemal an. Das laufe sie rum wie e ne Ottopusse mitte die Schuhe an die Füss - und dann meine se dasse isse schick!" Es klang immer wie Karneval.

In dem ganzen Toni-Gefolge war auch eine Gruppe Frauen aus Hamburg und ein Münchener Paar. Auch eine seltsame Gruppe: Eine harte Lederfrau Modell "Navratilov(a?)", eine Juristin vom Arbeitsamt (nicht schlecht, aber m.E. mit Macke), eine normale Angestellte. Auch das Paar war eigen. Er (Ernesto) hatte seine Maluntensilien dabei und war völlig fertig, dass sein teures Gelb in der Sonne zerlief, was Friedhold und mich zur Frage anreizte, hier sei doch gar nichts gelbes?!

Dann war da noch die Esoterikerin oder Hexe: Mitte 40, dünn, hager, tätowiert, schwarzes Zisselhaar, lila gefärbt, mit getönter Brille und wehenden Tüchern. Der Freund ein tätowierter Mann Typ "Schalke-Fan". Toni und Ernesto hatten sie orientierungslos besoffen auf dem Hotelgelände aufgelesen und zum Zimmer gebracht. Kurze Zeit später hörten sie Geräusche (".. da hasse Töne gehört wie wenne eine Katze amme Jammern isse...". Der Schalke-Fan hatte sie aufgrund ungebührlichen Benehmens gezüchtigt und war in die Disco gegangen...

Einer an der Bar brachte den Kommentar: "Alles-Inklusive, Immerzu immer zu!"

Musik

Zum Dinner spielten im Restaurant diverse Musiker auf. Bemerkenswert hier ein Trio mit zwei Geigen und einem Keyboard. Wir sahen diese Musiker (zwei Männer, ein Mädchen) erstmals am Strand, wie sie mit primitiven Mitteln angelten. Uns kam der Gedanke armer Kubaner, die ihr Abendessen holten. Es waren die Musikanten in ihrer Bühnenkleidung. Sie spielten nicht schlecht - schöne Tischmusik mit Operettenmelodien und Karibischer Slow-motion.
Die zweite Kapelle war der eigentliche Hit: vier bis sechs Musiker: Kontrabass, Sänger, Tris (eine "halbe" 12-saitige ADF#), Bongos, Gitarre/Congas, Trompete. Die Leute waren wirklich toll. Zu Tisch wurde nur ohne tp gespielt. Aber sie probten regelmäßg am Nachmittag hinter dem Küchengebäude, worauf wir durch die weit tragende tp aufmerksam wurden. Ein Besuch bei dieser Probe war sehr interessant. Völlig relaxt hockten sie auf Kisten und Stühlen und entwickelten ihre Stücke. Die tp sah schlimmer aus, als die alte in Walters (der bekannte Sound Sextett-Trompeter aus Lappenstuhl bei Bramsche bei Osnabrück bei Kalkriese) Keller. Aber da waren Töne drin!! Welche Töne müssen erst in Walters neuer tp drin sein? Wie holt man die da heraus?

Jedenfalls haben wir beschlossen, eine Kassette für $6.- zu erstehen. Ich habe mich wahnsinnig geärgert, meinen MD-Recorder nicht dabei zu haben. Unbedingt mitnehmen! Man kann hier tolle Tondokumente "schießen".
Bassisten scheinen international die gleichen Typen zu sein: Wer hat wohl die Kasse gemacht und stand links am Rand? Richtig!


Ausflug mit Rad nach Baconao

Zur Erinnerung: Unser Hotel liegt ca. eine Autostunde östlich von Stgo. de Cuba im Bacanao Freizeit- und Nationalpark. Wenige Kilometer weiter östlich beginnt die Sperrzone um den Amerikanischen Stützpunkt von Guantanamo. So haben wir uns aus dem Hotelfundus zwei Fahrräder (abenteuerlich) besorgt und sind nach Osten geradelt. Die Straße ist nicht sehr gut und zieht sich entlang der Küste. Links dichtes Buschwerk, das sich mit Annäherung an die Lagune von Bacanao zu einem mangrovenähnlichen Feuchtgebiet wandelt. Baconao selbst ist eine kleine Ansammlung von Häusern, die an eine ungepflegte Schrebergarten-Kolonie erinnert. Am Ende des Ortes verwehrt eine Schranke die Weiterfahrt - hier beginnt das Sperrgebiet. Am Ortseingang liegt ein verfallenes Lokal direkt an der Lagune - sozialistische Fehlinvestition. Einige Einheimische fischen mit primitiven Netzen. Ein Stück weiter steigen wir ab und gehen zum Naturstrand. Drei Einheimische folgen uns. Ich setze mich auf einen Baumstamm und döse, Fiddi raucht im Schatten. Einer der Jungen setzt sich neben mich und textet mich voll: T-shirts am Hotel...bla-bla. Ich verstehe wenig und ignoriere das meiste. Erinnerungen an Pausenaufsichten in Löhne werden wach. Er ist 16 und geht zur Schule, die Kleidung ist völlig abgerissen.
Zu Fiddi gesellt sich eine junge Schwarze, sie ist 20 und will Lehrerin werden. Fiddi prüft sie und läßt sie im Sand Dreiecke zeichnen - Lehrer eben!
Wir fahren weiter zurück, vorbei an zerfahrenen Landkrabben - wie auf den Bahamas (siehe Reisebericht).
Kurz vor dem Hotel ist ein kleiner Kakteengarten, in dem Aztekische Statuen aufgestellt sind, die sich als Plastikrepliken erweisen. Sieht trotzdem nett aus, sehr gepflegt. Nach knapp 3 Stunden sind wir wieder Hotel und von der Hitze erschöpft, obwohl wir höchstens 12km zurückgelegt haben. Schönes Land - aber arm.

Jaremis und Pedro

Am Freitag den 10.4. saßen Fiddi und ich nachmittags an der Poolbar - Fiddi innen, ich im Wasser. Ich bekam Kontakt zu einer Gruppe von drei der Hilfsanimateure: Eine massige Schwarze, ein drahtiger Mulatte und eine kleine Mulattin mit großen Brüsten. Während des Gesprächs stellte sich heraus, dass es sich um Hotelfachschüler handelt. Die Schule ist in einem alten Appartementhaus nahe dem Los Corales. Es gibt dort die Sparten: Service, Kochen, Entertainment. Der Mulatte (Pedro 25J.) und die kleine Mulattin (Yaremis 24J.) lernen Enternainment. P. und Y. haben auf der gleichen Schule studiert - sie Agraringenieur, er Wirtschaft.
<- ...noch ein Klieschee
Nun sehen sie in der aufblühenden Tourismusbranche ihre Chance. Irgendwie ergab sich, dass wir auf unseren geplanten Stgo.de Cuba-Ausflug zu sprechen kamen. Daraus ergab sich die Idee, ein Auto zu mieten und in den Heimatort der beiden zu fahren.
Von gewissen Zweifeln geplagt, habe ich abgemacht, dass Fiddi und ich die beiden um 21h an der Schule treffen, denn außerhalb ihrer "Einsätze" dürfen die Schüler nicht ins Hotel und die Zeit drängte, da nur Sa und So als Termine zur Verfügung standen (Wochenende eben).
Friedhold war grundsätzlich positiv eingestellt, so dass wir beide um 21h an der Schule die P.&Y. trafen. Das Gespräch war nett, wir wurden uns einig, am Sa mittags loszufahren und So abends zurückzukehren. Ziel sollte Guantanamo sein, wo Y. Mutter lebt. Da die Frage des Mietwagens nicht zu klären war, machten wir am Sa um 9h noch einen Termin am Hotel, weil bis dahin die Autofrage geklärt werden konnte.

Ausflug nach Manuel Tames

Am Sa um 9h15 war alles klar, für $114 stand uns ein kleiner Subaru für 2 Tage zur Verfügung. Um 11h fuhren wir mit kleinem Gepäck und voll unklarer Erwartungen Richtung Stgo.de Cuba. Schönes Wetter und eine Tanzcassette von P.&Y. ließen alsbald die richtige Reisestimmung aufkommen. Nach einer Stunde erreichten wir Stgo.de Cuba und ließen uns zu einem einheimischen Markt lotsen. An einer winzigen Bude, ähnlich einem Wachhäuschen wechselte P. $10 gegen 200 CubaPesos. Fiddi blieb im Auto während P,Y und ich in das quirlige Treiben des winzigen Marktes eintauchten. P&Y hielten mich an, meine Sachen festzuhalten, da Stgo.de Cuba schon etwas unsicherer sei als das Hotel. Ich tat wie mir geraten und trug die Kamera unter dem Hemd. Dicht gedrängt fanden sich Stände, die alle Lebensmittel feilboten, die für eine abwechslungsreiche Küche nötig sind. Zielstrebig kauften die beiden ein Stück Schweinefleisch, Reis, Mangos, Kochbananen, Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln und Reis.

Im nahen Intershop (ein Container) wurden gegen US$ noch Öl und Tomatenmark gekauft, bevor wir gemeinsam die Fahrt Richtung Guantanamo antraten.
Durch den quirligen Stadtverkehr, dessen Bild von Uralt-Straßenkreuzern, mit Menschen überladenen LKW als Busersatz und knatternden MZ-, Java- und Dnjpr-Motorrädern geprägt ist, suchen wir unseren Weg zur Autobahn im Norden der Stadt.
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Die Autobahn ist breit und es herrscht wenig Verkehr in unserem Sinne; allerdings ist diese Autobahn auch ein Weg für Fußgänger, Radfahrer, Eselskarren, kurz für alles, was sich bewegt. An Steigungen hängen die Radfahrer in Trauben an den qualmenden LKW.
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Wir verlassen die Bahn und nehmen die Straße durch das feuchte Flachland hinter dem Küstengebirge. Die Vegetation ist üppig, wir werden an Ceylon erinnert.

Kurvenreich zieht sich die Straße durch schattige Kaffeeplantagen, Bananenplantagen und saftige Viehweiden. Von Zeit zu Zeit durchqueren wir einen kleinen Ort, dessen Bild von einfachen Hütten und Häusern geprägt ist. Nur der verfallene Glanz der Bürgermeisterei zeugt von anderen Zeiten, die sicher nicht besser waren.
Etwas weiter entdecken wir eine Ziegelei. Der Brennofen ist in einen kleinen Hügel gebaut und erinnert sehr an die Kalkbrennereien vergangener Tage in Europa.

Kurz vor Guantanamo schmiegt sich ein Stausee in die üppige Landschaft. Die Straße wird breiter, wir biegen ab nach Guantanamo. Hier steht ein Polizist, der unsere Pässe sehen will - wir fahren nach Guantanamo ein, den Grenzbereich zur Amerikanischen Zone.
Guantanamo selbst ist eine Afrikanisch geprägte Stadt. Negride Typen beherrschen das Menschenbild. Insgesamt wirkt alles marode oder halbfertig. In der Hauptstraße zeugen verfallene Prachtbauten vom Potentatentum vergangener Tage. Die Randbereiche werden von schlecht gepflegten, sozialistischen Neubauten und veralteter Industrie geprägt. Wir fahren weiter, denn unser Ziel ist die Kleinstadt Manuel Tames, wo Y.'s Mutter lebt.

Das Landschaftsbild wandelt sich - es wirkt eintöniger. Kilometerlang säumen Zuckerrohrfelder unseren Weg. Lastwagen mit Gitterrohr-Pritschen bringen schwerbeladen die süße Fracht zur Zuckerfabrik. Dunkelhäutige Menschen bewegen mit allerlei einfachen Fortbewegungsmitteln von hier nach dort.
Wir müssen gut achtgeben, denn riesige Schlaglöcher und schlecht verlegte Bahnschienen stellen eine ernste Gefahr für unser kleines Auto dar. In einem der kleinen Orte längs der Straße beginnt ein Fest (es ist Sa Nachmittag).
Y. ruft aufgeregt "Stop!" - wir halten an. Sie springt aus dem Wagen und umarmt nach kurzem Palaver einen etwa 45-jährigen Mann. "He's her father", erklärt P. Wir steigen ebenfalls aus und begrüßen uns gegenseitig.
Kurze Zeit später erreichen wir Manuel T. Ein kleiner Ort auf einem Hügel, dessen Bild vom qualmenden Schlot der mitten im Ort gelegen Zuckerfabrik bestimmt wird. Zwei holprige Bahnschienen, etliche Schlaglöcher, rechts-links-rechts, wir sind da. Eine Sackgasse, gesäumt von einfachen Stein- und Holzhäusern (besser Hütten?) ist der Endpunkt unserer Reise. Wir halten vor einem halbfertigen, hellblauen, flachen Steinhaus. Nach dem Aussteigen versammeln versammeln sich rasch neugierige Negerkinder um den ungewohnten Besuch. Offenbar sind wir zu früh, denn Y's Mutter begrüßt uns mit Kopftuch uns Lockenwicklern. Die Begrüßung ist herzlich. Nebenan wohnen Oma, Onkel, Tante, Neffen. Alle werden begrüßt, besonders die einbeinige Oma im Rollstuhl - sie erinnert mich irgendwie an die "Dinos" - muss genau informiert werden. Zwei Schaukelstühle werden vom Onkel geholt, um den Besuch aus Alemania eine angemessene Sitzgelegenheit zu bieten. Etwas unsicher und unwohl nehmen wir in dem Trubel Platz.
Später besichtigen wir "das Haus": An die etwa 1,5m breite und 3m lange Terrasse schließt sich das winzige karge Wohnzimmer an, dessen Einrichtung aus einer Nähmaschine, einem Bügelbrett und einem Strauß Plastikblumen besteht. Ein ungesäumter Vorhang verschließt den Durchgang zum Schlafzimmer. Dort stehen ein Doppelbett, ein Sideboard, ein alter Kühlschrank, dessen hintere Rippen als Wäschetrockner dienen und ein Kleiderschrank aus Presspappe. Die einzige elektrische Leuchte im Haus ist eine freiverdrahtete 40er Leuchstoffröhre, die durch Zusammenhaken der Zuleitungsdrähte eingeschaltet wird - Verdrahtung à la Cuba libre.
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Hinter dem Haus ist ein kleiner Brachlandgarten. Die "Küche" ist ca. 2qm groß und befindet sich hinter dem unfertigen Haus auf dem dem nackten Boden und ist mit einer Papp-/Holz-/Blechkonstruktion gegen das Wetter geschützt. Die Einrichtung besteht aus einem völlig verrußten Gaskocher, einer wackeligen Bretterkonstruktion, einem selbstgebauten Mini-Kochofen und einigen grifflosen, verbeulten Alutöpfen. Hier soll die Mutter unser Essen zubereiten... Das Wasser wird einer rostigen 200L-Tonne entnommen. Eine Toilette gibt es nicht, das üppige Grün des Gartens verdeckt gnädig vieles.
Y gibt uns zu verstehen, dass wir uns bei der Polizei anmelden müssen. In dieser Region gibt es sonst keine Touristen und dem öffentlichen Leben des kleinen Ortes bleibt nichts verborgen. So gehen wir zu Fuß zur Station, die ca. 150m weiter an der Straßenecke liegt. Ein schmuckloses Betongebäude, innen ebenso. Die Wand durch einen Stammbaum der Revolutionäre geschmückt, oben natürlich Fidel und sein Bruder. Nach kurzer Wartezeit erledigt ein Kopfnicken der Polizistin die Sache und wir gehen zurück.
P. und die Mutter gehen zum Kochen in die Küche, während Fiddi und ich uns vor dem Haus auf zwei Stühle setzen. Fiddi fängt mit seiner Kamera die Eindrücke der Umgebung ein. Da Regenwolken aufziehen, wird es dunkler und manchmal muß das Blitzlicht helfen. Die zahlreichen Negerkinder der Nachbarschaft haben schnell herausbekommen, dass die weißen Männer Blitze machen, wenn sie lachend Clownerien betreiben. Also springen sie wild umher und warten auf den Blitz des weißen Mannes.
Y's Mutter kommt mit zwei Gläsern, die ein blaßrosafarbenes Getränk enthalten. Der Bergrüßungstrunk aus Papaya, Eis, Milch und Zucker. Sehr lecker.
Wir gehen die Straße hinunter, um uns einen Überblick zu verschaffen. Beidseitig von Häusern gesäumt endet die Straße mit einem kleinen erhöhten Steinplatz, der am Ende durch eine Mauer abgeschlossen wird. Durch die Löcher in der Mauer wird der Blick auf ein weites, grünes Tal mit Palmen, Bananen und üppiger sonstiger Vegetation eröffnet. Zwei Häuser erregen unsere Aufmerksamkeit: Das Heimatmuseum und die Klinik. Beide sind verschlossen, doch die glaslosen Fenster mit ihren verstellbaren Holzlamellen ermöglichen uns Einblicke: Die Vergangenheit muß ruhig gewesen sein und wir beschließen, besser nicht krank zu werden.

Plötzlich verfinstert sich der Himmel und ein Regenguß strömt herab. Innerhalb weniger Minuten können wir beobachten, wie die Straße zu einem flachen Bach wird und die Reifen unseres Autos bis nahe an die Felge im Wasser und Schlamm versinken. Draußen springen die Kinder kreischend im Regen herum. Ein Zucker-LKW fährt vor - drei Männer und ein Kind steigen aus, einer von ihnen ist Y's Vater (Sevillio). Wir begrüßen uns man setzt sich und mit unserem schlechten Englisch und der Hilfe von Y&P machen wir uns verständlich.
Das Essen ist fertig! P bringt tiefe Teller, die mit Fleisch, Kartoffeln, Kochbananen und Reis gefüllt sind. Der Gedanke an die Küche und die möglichen Grüße meines europäischen Verdauungstraktes läßt mich etwas zögern - aber es sieht gut aus, riecht lecker und ich habe Hunger. Außerdem habe ich auch die Ägyptische Küche gut vertragen. Wir haben unsere Entscheidung nicht bereut, es ist alles gut gegangen.
Teils stehend, teils sitzend (es gibt nur vier Stühle) verzehren die Männer das leckere Essen. P,Y und ihre Mutter essen hinten - aus Mangel an Geschirr aus dem Topf, wie wir später erfahren. Wir finden das schade. Der LKW fährt ab, Y's Vater bleibt. Für den Abend bleibt die Getränkefrage offen - wir beschließen im Ort eine Kiste Bier zu kaufen. Vom Nachbarn wird Leergut geholt, ins Auto geladen und wir fahren - einschließlich Mutter los. Der Regen hat aufgehört und es ist wieder etwas heller geworden. Die Straßen sind zu schlammigen Pisten geworden und in den Schlaglöchern steht das Wasser. Wir biegen nach rechts in die Hauptstraße ein und halten nach 300m vor einer neonbeleuchteten Kaschemme. Ich gebe P $15 für das Bier. Er geht los und sucht seinen Weg durch Schlamm und Pfützen. Ich warte draußen und schaue die Straße hinab. An ihrem Ende liegt grau und düster das Zentrum des Ortes: Die qualmende Zuckerfabrik. Das ganze Szenario erinnert mich stark an Bilder früher Industriesiedlungen aus Deutschland - Duisburg, Bochum oder Essen etwa.
Gemeinsam sitzen wir im Wohnzimmer und trinken das Bier aus der Flasche. P erklärt, dass das Bier das beste einheimische sei und normalerweise gar nicht kistenweise zu bekommen. So ist es heute Abend ein kleines Fest, und das Bier schmeckt wirklich gut. Wir sitzen und reden so gut es geht. Ursprünglich war geplant, in einem Hotel in Guantanamo zu übernachten. Nun sind wir Gäste des Hauses und sollen im Doppelbett der Mutter schlafen, P&Y sowie die Mutter richten ein Matratzenlager im Wohnzimmer ein. Zuvor müssen wir jedoch Y's Vater zurückbringen. Er wohnt ca. 10km von hier in Jamaika. Angekommen finden wir sein Haus inmitten von Zuckerrohrfeldern. Y geht mit ihrem Vater ins Haus und wir warten im Wagen. Fiddi und ich beschließen auch ins Haus zu gehen und suchen unseren Weg mit der Taschenlampe auf dem regendurchweichten Boden. Das Haus ist aus rohen Brettern, wir klopfen, gehen hinein. Der Raum ist durch eine kleine Neonlampe spärlich erhellt. Vier Stühle und ein Schreibtisch bilden die Einrichtung. Der Arbeitsplatz des Stadtschreibers. Anläßlich des "hohen" Besuchs werden die beiden Töchter geweckt. Stolz stellt uns Sevillio seine Familie vor. Das Verhältnis zu Y, die Tochter aus erster Ehe ist und der dritten Frau erscheint herzlich und offen. Auch hier finden wir wieder unvoreingenommene und offene Herzlichkeit. Wir kehren zurück und bereiten das Nachtlager vor. Das Doppelbett erweist sich als problematisch, da der Unterbau aus einem gespannten Drahtnetz besteht, was zur Folge hat, dass Fiddi und ich durch die Schwerkraft immer wieder in ein gemeinsames "Loch" gezogen werden. So haben Fiddi und ich die ganze Nach Mühe, Körperkontakt zu vermeiden. Das Licht wird durch Betätigen des Schalters Modell "Cuba Libre" gelöscht.
Die Nacht ist durch das unbequeme Lager und die Mosquitos unruhig - ich träume davon, Kathrin eine voll softwaregesteuerte Schnapsdestillation mit besonders übersichtlicher Verdrahtung zu zeigen...
Am Morgen, gegen 6h30 werden wir durch das ausdauernde Krähen aller Hähne der Nachbarschaft geweckt. Nach und nach erwacht das Leben im Haus und wir verlassen unsere Bettstatt und wünschen uns einen guten Morgen. Das Frühstück ist lecker und besteht aus kleinen Broten, Kaffee und einem Salat. Der Kaffee ist schmackhaft; er wird mit Zucker aufgekocht und durch dann durch ein Tuch filtriert. Gegen 9h beschließen wir den Aufbruch, denn heute steht noch die Stadtbesichtigung Stgo.de Cuba auf dem Programm. Der Abschied fällt herzlich aus und die Oma muß unbedingt noch die Bilder aus meiner Digitalkamera sehen, obwohl ich der Überzeugung bin, dass sie mit ihren schlechten Augen kaum etwas sieht. Mit einer neuen Einladung werden wir herzlich verabschiedet - wir haben hier echte Gastfreundschaft kennengelernt und neue Freunde gefunden. Bei der Abfahrt stehen alle am Straßenrand und winken uns zu - der Onkel zeigt zum Gruß stolz die erhobene geballte Faust, den Gruß der Revolution.

Santiago de Cuba

Unter der morgendlichen Sonne durchfahren wir die endlosen Zuckerrohrplantagen. Gegen Mittag passieren wir die Stadtgrenze und die Nadel des Benzinanzeigers ermahnt zum Tanken. 70Cent soll der Liter Normal kosten, das Auto erweist sich als sparsam, mit $19 ist der Tank gefüllt. Wir lassen uns ins Zentrum lotsen und finden trotz regen Treibens schnell eine schattige Parkmöglichkeit. P&Y führen uns zum Parque Cépedes mit der Kathedrale und dem schönen, alten Casa Grande-Hotel. Es ist sehr warm, wir steuern ein schattiges Café an, bestellen ein kühles Bier und beobachten das Treiben.

Insgesamt verdichtet sich hier der Eindruck, den wir auf der Fahrt durch das Land gewonnen haben. Der große Teil der Substanz ist einfach, wenige Bauten hingegen prächtig anzusehen. Das geht zum Teil sogar soweit, dass vor öffentlichen Gebäuden die sonst allgegenwärtige "Cuba-Libre"-Verdrahtung im Boden verlegt ist und wenige Meter hinter der Fassade wie gewohnt das Straßenbild bestimmt. Die Leute wirken größtenteils freundlich und entspannt. Insbesondere Frauen haben hier keinen verkniffenen Gesichtsausdruck, sondern schauen interessiert und offen drein.

Subjektiv haben wir fetgestellt, daß nicht alle Kubaner und Kubanerinnen schön sind. Die Frauen gliedern sich in zwei Grundttypen: Das verbreitete Modell "Knubbel" und das seltenere und begehrtere Modell "Karibik". Beiden gemeinsam ist der ungekünstelte Stolz, mit dem sie ihre geschlechtsspezifische Rolle darstellen. Unser Urteil: Recht so! Viereinhalb Sterne! Auch die männlichen Kubaner zeigen intrasexuelle Morphologievarianzen: Vorherrschend ist das handliche Modell "Sammy Davis jr.", seltener das der formatfüllendere Typus "Roberto Blanco".

Entlang dem östlichen Ufer der Bucht suchen wir unseren Weg zum Castillo del Morro. Eine Zementfabrik am Weg durch das Industriegebiet bläst ihren Staub in den Himmel. Das Gelände ringsum ist völlig grau. Die Stromleitungen sind dick wie Würste, weil der Zementstaub zusammen mit der Feuchtigkeit vom Meer im Laufe der Jahre einen dicken Panzer gebildet hat. Manche Leitung ist unter ihrer Last bereits gebrochen. Die Straße windet sich über sanfte Hügel und die üppige Vegetation gibt immer einmal die Sicht auf das prachtvolle Panorama der Bucht frei.
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Nach 30 Minuten erreichen wir das Kastell - es ist überwältigend. Majestätisch liegt es direkt an schmalen Einfahrt zur Bucht von Stgo. de Cuba und auch dem ungeübten Beobachter wird die strategische Lage sofort deutlich. Für $1 pro Person (Kubaner frei) dürfen wir das innere betreten und lassen unsere Gedanken und Blicke durch die Geschehnisse der Vergangenheit dieses Bauwerks schweifen. Das Piratenmuseum erweist sich als quasi nicht existent - in zwei Räumen liegen ungeordnet irgendwelche Akten und jedermann kann in den Karteischränken herumwühlen. Schade, wo es doch viele arbeitslose Historiker gibt. Ein Fall für Entwicklungshilfe.

Der bauliche Zustand des Kastell ist gut. Vieles wirkt restauriert und an mancher Stelle liegt ein Sandhaufen, der weiter Aktivitäten verrät. Wir lassen uns im nahen Restaurant nieder und genießen die Grandiose Aussicht bei einer Erfrischung, bevor wir die Rückreise antreten. Es ist etwa 16 h. Wir fahren zurück zum Hotel, nicht ohne am Automuseum anzuhalten, welches auf halbem Weg zwischen Stgo. de Cuba und Baconao liegt. Für $1 + $1 für die Fotoerlaubnis lassen sich hier die blechgewordenen Träume Amerikas der 50er und 60er Jahre bewundern. Leider sind die Fahrzeuge in einem schlechten Zustand, bieten aber dennoch Einblick in die automobile Freiheit präökologischer Zeiten.

Bei der Rückkehr setzen wir Yaremis und Pedro an ihrer Schule ab und gehen ins Hotel. Die Eindrücke waren zahlreich, z.T. überwältigend.

Fazit

Kuba ist eine Reise Wert. Wie überall auf der Welt gibt es Licht und Schatten. Kuba ist ein Land der Dritten Welt.
Die Leute sind freundlich und wirkten auf uns offen, würdevoll und selbstbewußt. Wirken wir ebenso auf Besucher aus fernen Ländern?
Viele unserer "Zivilisatorischen Errungenschaften" werden bei genauerer Betrachtung und Relativierung fragwürdig.

Kuba ist nichts für Leute, die immer und überall Klimaanlagen, internationales Bier und gepflegte Steakhäuser brauchen.
Kuba ist sehr wohl etwas für Leute, die sich auf Land und Leute einlassen wollen und akzeptieren, dass es "woanders ganz anders" ist.